Logo UX & Usability Toolkit
DE | EN

Evidenzbewertung

Effekt-Score (E): 4/5 Beleglage für das zugrunde liegende Prinzip bzw. die Messmethode.

Transfer-Score (T): 4/5 Belege für zuverlässige Ergebnisse in der digitalen Produktpraxis.

Evidenz-Level: Hoch

[Belegt durch Praxistests] Aufgabe, Erfolgskriterium und Zeitgrenzen vorab operationalisieren; Erfolgsquote und Bearbeitungszeit gemeinsam samt Stichprobe berichten.

Skala und Bewertungsregeln

Effekt-Score: 5 gesichert · 4 belastbar · 3 kontextabhängig · 2 schwach · 1 vorläufig.

Transfer-Score: 5 praxisbelegt · 4 feldbelegt · 3 teilweise belegt · 2 plausibel · 1 Hypothese.

Ohne fundierte wissenschaftliche oder normative Quelle ist E auf 3 begrenzt. Blog- und Agenturmeinungen begründen höchstens T=2. Bei nicht aufgelösten Konflikten gilt der konservativere Wert.

Evidenz-Level: Hoch = E ≥ 4 und T ≥ 3; Moderat = E ≥ 3; Vorläufig = E ≤ 2 oder T ≤ 1.

Task Success Rate & Time-on-Task

Die Task Success Rate (Aufgabenlösungsrate) misst den Anteil gültiger Aufgabenversuche, die Nutzer:innen nach vorher festgelegten Kriterien erfolgreich abschließen. Time-on-Task misst die Zeit vom definierten Start- bis zum Endereignis. Zusammen zeigen die UX-Metriken, ob eine Aufgabe gelingt und wie viel Zeit sie benötigt – vorausgesetzt, Aufgabe, Erfolgskriterium und Messgrenzen sind klar definiert.


Wie erfolgreich sind Nutzer:innen? – Die Task Success Rate

Die sogenannte Aufgabenlösungsrate gibt an, wie viele Personen eine bestimmte Aufgabe vollständig und korrekt abschließen konnten. Sie wird als Prozentsatz angegeben und eignet sich besonders gut, um die Effektivität eines Systems zu messen.

Formel: Task Success Rate = (gültige Versuche mit vollständigem Erfolg ÷ alle gültigen Versuche) × 100. Ein Versuch zählt nur dann als erfolgreich, wenn das vorab definierte Nutzerziel ohne kritischen Fehler erreicht wurde. Lege auch fest, ob ein Abbruch als gültiger Fehlversuch zählt; technische Ausfälle, die nicht durch das Produkt verursacht wurden, können nach einer vorab definierten Regel ausgeschlossen werden.

Praxisbeispiel

In einem Usability-Test sollen Nutzer:innen ein Konto in einer Banking-App eröffnen. Von zehn Testpersonen gelangen sieben erfolgreich bis zum letzten Schritt. Drei brechen vorher ab – teils, weil die „Weiter“-Schaltfläche schlecht sichtbar ist, teils wegen unklarer Eingabefelder.

Berechnung: 7 ÷ 10 × 100 = 70 % Task Success Rate. Ein klarer Hinweis auf Optimierungspotenzial im Onboarding-Prozess.

Banking App KI
Usability-Test mit Banking-App: Unklare Eingabefelder und schwer erkennbare Schaltflächen führen zu Abbrüchen im Onboarding-Prozess.
KI-generiertes Bild

Varianten der Erhebung

Die Erfolgsquote kann Versionen oder Zeitpunkte beschreiben und vergleichen, sofern Aufgaben, Erfolgskriterien und Erhebungsbedingungen vergleichbar sind. Ein beobachteter Unterschied belegt für sich allein keine Ursache: Für kausale Aussagen braucht es ein geeignetes Studiendesign, etwa ein randomisiertes Experiment. Bei kleinen Stichproben sind Schätzunsicherheit und mögliche Zufallsschwankungen besonders zu beachten; Trends über längere Zeiträume können auch durch Veränderungen außerhalb des Produkts entstehen.


Wie effizient ist die Nutzung? – Time-on-Task

Während die Erfolgsrate die Erreichung eines Ziels beschreibt, erfasst die Time-on-Task den Aufwand, der dafür nötig ist – meist in Form der benötigten Zeit.

Praxisbeispiel: In einem E-Commerce-Test dauert ein erfolgreicher Bestellabschluss in der alten Checkout-Version im Median 3:20 Minuten, in der überarbeiteten Version 1:50 Minuten. Die Differenz beträgt 90 Sekunden; bezogen auf 200 Sekunden sind das 45 % weniger Zeit. Aussagekräftig ist der Vergleich nur, wenn Aufgabe, Stichprobe und Messregeln vergleichbar sind und die Erfolgsrate nicht gesunken ist.

Aber: Weniger Zeit ist nicht automatisch besser. Ein extrem kurzer Time-on-Task kann auch auf oberflächliche Bearbeitung oder Desinteresse hinweisen. Deshalb sollte diese Metrik immer im Kontext der Aufgabenstellung und Nutzerziele interpretiert werden.

Wie wird gemessen?

Beispiel: Acht erfolgreiche Durchläufe dauern zusammen 12 Minuten. Das arithmetische Mittel beträgt 12 × 60 ÷ 8 = 90 Sekunden. Berichte bei kleinen Stichproben die einzelnen Werte oder mindestens Stichprobengröße und Streuung; bei rechtsschiefen Zeiten ist der Median mit Interquartilsabstand oft aussagekräftiger als allein der Mittelwert. Zeitergebnisse nur erfolgreicher Versuche können leichter wirken, wenn viele Personen abbrechen: Berichte daher Abbrüche und deren Zeit bis zum Abbruch separat, statt sie stillschweigend aus der Erfolgsrate oder Zeitbetrachtung verschwinden zu lassen.

Ausreißer und Abbrüche richtig einordnen

Prüfe ungewöhnlich kurze oder lange Zeiten zuerst anhand der Aufzeichnung: Liegt ein technischer Messfehler, eine externe Unterbrechung oder ein echter Umweg im Interface vor? Gültige Beobachtungen bleiben in der Auswertung und können auf Barrieren hinweisen. Schließe Werte nur nach einer vorab festgelegten, nachvollziehbaren Regel aus und dokumentiere die Auswirkung. Setze keine pauschale Zeitobergrenze, die langsame, aber gültige Versuche in scheinbare Erfolge verwandelt.


Gemeinsam stark: Effektivität & Effizienz

Die beiden Metriken entfalten ihre volle Aussagekraft erst in Kombination. Eine Aufgabe kann schnell erledigt sein – aber trotzdem häufig scheitern. Oder sie wird meist erfolgreich bewältigt, dauert aber auffällig lange.

UX Metriken
Effektivität und Effizienz im Zusammenspiel – Task Success Rate und Time-on-Task als zentrale UX-Metriken.
MetrikAussage über
Task Success RateEffektivität
Time-on-TaskEffizienz

Beispielhafte Kombination: In einem Intranet-Test schaffen es 90 % der Nutzer:innen, eine bestimmte Information zu finden – aber sie benötigen im Schnitt über 4 Minuten dafür. Die Interpretation: Das System funktioniert, aber nicht effizient. Hier könnte eine bessere Navigation oder Suchfunktion Abhilfe schaffen.

ErgebnisMögliche InterpretationNächster Prüfschritt
Hohe Erfolgsrate, kurze ZeitAufgabe gelingt meist zügigPrüfen, ob Nutzer:innen auch fehlerfrei und sicher vorgehen
Hohe Erfolgsrate, lange ZeitZiel wird erreicht, aber mit AufwandUmwege, Verständnisprobleme und unnötige Schritte untersuchen
Niedrige Erfolgsrate, kurze ZeitSchnelle Abbrüche oder vorschnelle Fehlversuche möglichAbbrüche, Fehlermuster und Erfolgskriterium prüfen
Niedrige Erfolgsrate, lange ZeitAufgabe ist möglicherweise unklar oder blockiertBeobachtungen und einzelne Prozessschritte analysieren

Best Practices aus der Praxis


Fazit

Task Success Rate und Time-on-Task sind bewährte Werkzeuge, um die Leistung von Nutzer:innen messbar zu machen. Als quantitative Metriken liefern sie klare, vergleichbare und aussagekräftige Daten über die Gebrauchstauglichkeit eines Systems – vorausgesetzt, sie werden kontextsensibel und methodisch sauber eingesetzt. In der Praxis sind sie unverzichtbar für Benchmarking, Redesign-Evaluationen und kontinuierliche UX-Optimierung.

Quantitative Usability-Messung: Aufgabenzeiten, Erfolgsraten und Kennzahlen

Diese Literaturauswahl beleuchtet Metriken der UX-Forschung wie Aufgabenzeit, Fehlerhäufigkeit, Erfolgsraten und zusammengesetzte Indizes. Der Fokus liegt auf statistischer Auswertung und Interpretation quantitativer Usability-Daten.

Quantifying User Research

Grundlagentext zur quantitativen UX-Messung mit Fokus auf Aufgabenzeiten, Erfolgsraten und Fehlerhäufigkeiten. Betont statistische Auswertbarkeit auch bei kleinen Stichproben.

Sauro, J., & Lewis, J. R. (2012). Quantifying user research. In Quantifying the User Experience. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-384968-7.00002-3

DOI

Average Task Times in Usability Tests: What to Report?

Analysiert verschiedene Methoden zur Darstellung von Aufgabenzeiten. Empfiehlt geometrisches Mittel gegenüber Median oder arithmetischem Mittel bei schief verteilten Daten.

Sauro, J., & Lewis, J. R. (2010). Average task times in usability tests: what to report? In CHI Proceedings. https://doi.org/10.1145/1753326.1753679

DOI

Combined and Comparative Metrics

Einführung in den Single Usability Metric (SUM), der Task Success, Time-on-Task, Fehler und Zufriedenheit zu einem Vergleichsindex kombiniert.

Tullis, T. S., & Albert, B. (2013). Combined and comparative metrics. In Measuring the User Experience. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-415781-1.00008-X

DOI

Variation in Importance of Time-on-Task with Familiarity

Zeigt, dass die Wahrnehmung von Usability stärker mit Time-on-Task korreliert, je vertrauter die Nutzer mit einem Produkt sind.

Suzuki, S., Bellotti, V., Yee, N., et al. (2011). Variation in importance of time-on-task with familiarity. In CHI. https://doi.org/10.1145/1978942.1979314

DOI

Usability Testing Through Devices in Bangladesh

Vergleich der Task Success Rate und Task-Zeiten auf mobilen vs. Desktop-Geräten bei einer Uni-Website. Liefert reale Benchmarks und Anwendungsszenarien.

Yesmin, S., & Atikuzzaman, M. (2023). Usability testing of a website through different devices: a task-based approach. Information Discovery and Delivery. https://doi.org/10.1108/IDD-01-2023-0007

DOI

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die Task Success Rate?
Die Task Success Rate (Aufgabenlösungsrate) gibt an, wie viele Nutzer:innen eine Aufgabe vollständig und korrekt abschließen konnten. Sie misst die Effektivität eines Systems und wird meist als Prozentsatz angegeben.
Was bedeutet Time-on-Task?
Time-on-Task beschreibt die Zeit, die Nutzer:innen benötigen, um eine Aufgabe zu erledigen. Sie ist ein Indikator für die Effizienz der Nutzung und wird in Sekunden oder Minuten gemessen.
Wie werden diese Metriken erhoben?
Task Success Rate: durch Beobachtung oder Logdaten (Erfolg ja/nein). Time-on-Task: per Stoppuhr in moderierten Tests oder automatisch über Analytics und Session-Recording.
Warum sind diese Kennzahlen wichtig?
Bei einheitlichen Aufgaben, Erfolgskriterien und Messregeln liefern sie vergleichbare Daten zu ausgewählten Usability-Aspekten. Gemeinsam zeigen sie Zielerreichung und Zeitaufwand, aber kein vollständiges Bild der Gebrauchstauglichkeit.
Welche Best Practices gibt es?
Aufgaben realistisch formulieren, Erfolgskriterien und Start- und Endpunkte vorab festlegen, Ausreißer untersuchen und gültige Abbrüche transparent berichten. Qualitative Beobachtungen helfen, das Warum hinter den Zahlen zu verstehen.
Wann sollte man beide Metriken kombinieren?
Wenn sowohl Zielerreichung als auch Zeitaufwand relevant sind. Eine hohe Erfolgsrate bei langer Bearbeitungszeit kann auf Effizienzprobleme hindeuten; beide Kennzahlen müssen im Aufgaben- und Nutzungskontext interpretiert werden.
Wie werden Teilerfolge bei der Task Success Rate gezählt?
Bei einer binären Task Success Rate zählt nur der vorab definierte vollständige Erfolg als Erfolg. Teilerfolge sollten separat ausgewiesen werden. Eine gewichtete Bewertung ist möglich, muss aber als eigene Kennzahl mit transparenten Gewichten berichtet werden.
Wie gehe ich mit Ausreißern bei der Time-on-Task um?
Prüfe zuerst, ob ein Messfehler oder eine Unterbrechung vorlag. Gültige, ungewöhnlich lange Zeiten nicht einfach entfernen: Berichte bei schiefen Verteilungen Median und Interquartilsabstand zusätzlich zum Mittelwert und begründe jeden Ausschluss.

Science-Corner: Evidenzdaten

Setting
Standardisierte Aufgaben in moderierten Tests oder instrumentierten Produkten
Replikationsstatus
Repliziert / wiederholt untersucht
Evidenz-Level
Hoch (E=4, T=4)
Schlüsselquellen (APA)
  • International Organization for Standardization. (2018). Ergonomics of human-system interaction—Part 11: Usability: Definitions and concepts (ISO Standard No. 9241-11:2018). Quelle öffnen
  • Frøkjær, E., Hertzum, M., & Hornbæk, K. (2000). Measuring usability: Are effectiveness, efficiency, and satisfaction really correlated? Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 345–352. https://doi.org/10.1145/332040.332455
  • Hornbæk, K. (2006). Current practice in measuring usability: Challenges to usability studies and research. International Journal of Human-Computer Studies, 64(2), 79–102. https://doi.org/10.1016/j.ijhcs.2005.06.002
  • Sauro, J., & Lewis, J. R. (2005). Estimating completion rates from small samples using binomial confidence intervals: Comparisons and recommendations. Proceedings of the Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting, 49(24), 2100–2103. https://doi.org/10.1177/154193120504902407
Prüfdatum / Version
2026-11-01 · 1.1
Nächste Prüfung
2027-11-01 (Review-Rhythmus: 12 Monate)

Zuletzt geändert: 1. November 2026